#40 Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit

Posted by in 09 - November 2011, 2011

Wie man bereits in früheren Stories schon gemerkt hat, bin ich nicht sehr gut zu sprechen auf gewisse ÖV-Anbieter, wenn man sie so nennen darf. Ich habe mehr negativ als positiv über sie geschrieben, aufgrund von Erlebnissen und Erfahrungen. Viele Male konnte man darüber streiten, ob meine Meinung berechtigt war, ob ich masslos übertreibe oder ob ich vielleicht sogar recht habe. Wann immer möglich versuche ich nicht all zu negativ über Firmen zu berichten und ihren Namen nicht zu nennen. Zudem erwähne ich eher selten, welche Strecke ich fuhr, ab welchem Bahnhof, um welche Zeit, mit wem genau und so weiter… In meiner heutigen Story werde ich jedoch bewusst auf die Anonymität (durch posten eines Linkes) verzichten und ich entschuldige mich schon im voraus über meine eventuell direkte Wortwahl und natürlich auch, dass die „Wahrheit“ – die meine Informationsquelle berichtete – ans Licht kommt. Meine Informationsquelle zur heutigen Story beruht auf einen Ticketkontrolleuren, der über die ganze Sache ziemlich genervt schien und deshalb ein paar Infos ans Licht packte, welche auf Seite der Bahngesellschaft wohl eher unentdeckt bleiben sollten.

Bern, Freitag der 18. November 2011 um 23.00 Uhr am Hautbahnhof am Perron 4/5. Ich wartete auf den Intercity (oder Interregio) nach Olten – Basel, PLANMÄSSIGE Abfahrt 23.04. Neben mir stand der Ticketkontrolleur, der genervt auf den Zug und somit seinen nächsten Auftrag wartete. Im Normalfall sollte der Zug eigentlich schon ca. um 22.55 Uhr ankommen, was aber nicht geschah. 23.04, der Zug war immer noch nicht da, die Leute wirkten genervt und gestresst und so mancher hatte Angst, seinen Anschlusszug zu verpassen – obwohl ja eigentlich noch gar keine grössere Verspätung in Sicht war. Weitere zwei Minuten verstrichen, der Kontrolleur wurde langsam unruhig, nahm sein Telefon hervor und telefonierte mit der Bahnzentrale. Nach geschätzten 50 Sekunden legte er auf und führte ein weiteres Gespräch am Telefon, mit dem Zugschef. Die Leute wurden sichtlich nervöser, schauten alle paar Sekunden auf die Anzeigetafel, ob schon eine Information ersichtlich war. Dann endlich, die bekannte Stimme der Informationsdurchsage wurde hörbar: „Der Zug von Bern nach Olten, Basel steht im Moment in Bern, der Grund dafür ist nicht bekannt“. „WAS? Er steht in Bern? Ja da bin ich auch, ist doch perfekt! Doch wieso kommt er nicht? Und wie, der Grund dafür ist unbekannt? Mir ist er bekannt, er soll mich nach Hause bringen…“, dachte ich mir.
Weitere endlos lange Minuten verstrichen, die Leute versammelten sich langsam um den Kontrolleur, doch niemand traute sich zu fragen. Er griff zum Telefon, nach einem weiteren Gespräch schmiss er seinen Koffer hin und wandte sich zu uns hin: „Also, folgende Situation ist gegeben, der Zug befindet sich noch irgendwo, doch sie wissen nicht wo er ist und der Lokführer ist auch nicht erreichbar, er geht weder ans Telefon noch können wir ihn anfunken. Ich spreche mich schnell mit dem Zugschef ab, wartet schnell“. Die Leute warfen ihm ratlose Blicke zu. Nach dem Telefonat wandte er sich wieder zu uns: „Ja also, wir wissen nichts, wir warten nun einfach hier!“. Ein Fahrgast meldete sich zu Wort: „Ja aber was ist denn los? Habt ihr keine anderen Züge?“. Die Antwort darauf: „Auf der Strecke von Thun nach Bern gab es einen Personenunfall, andere Züge hätten wir aber keine Fahrer dazu“. Die Tatsache, dass keine Fahrer verfügbar waren machte den Fahrgast stutzig, er fragte nach: „Aber haben sie denn keine Ersatzfahrer?“. Die Antwort darauf war noch verblüffender: „Naja, eigentlich schon… Aber die sind gerade in St. Gallen und in Schaffhausen, also eigentlich haben wir ja sozusagen keine verfügbaren hier und alle Anderen sind auch irgendwo wo sie nicht gebraucht werden und sie müssen jetzt irgendwie nach Bern gebracht werden doch wir wissen noch nicht wie“. Ich habe mir ein organisiertes Unternehmen irgendwie anders vorgestellt, immer bereit für Notfälle und Unerwartetes.
Mittlerweile war es 23.20 Uhr und am Gleis neben an stand ein ICE, der Fahrplanmässig um 23.34 Uhr nach Olten fahren sollte. Ein Fahrgast erkundigte sich, ob wir nun lieber den ICE nehmen sollten, da dieser ja schon hier stehe – die Antwort des Kontrolleurs: „Ja das weiss ich jetzt auch nicht, der Fahrer für diesen Zug ist im Moment in Luzern, also wir haben auch keinen Fahrer für diesen Zug“. „Fährt denn überhaupt noch ein Zug“, fragte der Fahrgast genervt. „Im Moement nicht, wir haben einfach niemanden der vor Ort ist“, war die Antwort darauf.

In diesem Moment fuhr der sehnlich erwartete Zug auf unserem Gleis ein und die Fahrgäste atmeten auf. Doch kaum öffneten sich die Türen, änderte die Anzeigetafel dieses Gleises auf einen Zug nach Thun. Verunsicherung herrschte, es gab keine Informationen darüber, ob dies nun unser Zug war, sogar der Kontrolleur war ratlos. Einige Leute stiegen ein, was sie später noch bereuen durften und sogar der Lokführer, der eigentlich unseren Zug fahren sollte aber bislang unerkannt blieb, stieg in sein Fahrerhäuschen – kleine Anmerkung: Es war der falsche Zug und er fuhr auch nicht in diese Richtung, wo der Lokführer einstieg.

Um 23.25 entschied ich, in den ICE zu steigen, der seine Türen mittlerweile geöffnet hatte. Endlich, nein nicht endlich ein Zug der fuhr, sondern endlich ein warmer Ort in dieser kalten eisigen Nacht. Um 23.38 Uhr dann die erlösende aber dennoch stresserregende Durchsage: „Dieser Zug wird für unbestimmte Zeit in Bern stehen bleiben, Fahrgäste nach Basel sollen unverzüglich auf Gleis 6 in den Zug wechseln, er fährt nach Olten, dort können sie dann umsteigen. Bitte wechseln sie schnell, der andere Zug fährt in wenigen Augenblicken“. Die Türen öffneten sich und die Leute sprangen raus um so schnell wie möglich aufs andere Gleis zu kommen. Dort beschwerte sich währenddessen ein Fahrgast bei einigen Bahnangestellen, dass wir überhaupt nicht informiert wurden, es ein riesiges Chaos ist und er wegen dem einen wichtigen Termin verpasste, wobei ich mich jetzt schon ein bisschen frage, was dieser Herr um diese späte Uhrzeit noch für einen Termin hat.
Dieser „Ersatzzug“, der eigentlich als regulärer Zug um 23.32 Uhr fahren sollte, fuhr mich dann schliesslich wirklich bis nach Olten, voll gestopft von unten bis oben!

Natürlich, Pannen passieren und die Bahngesellschaft kann ja eigentlich auch nichts dafür! Doch wer gerne wissen will, was offiziell kommuniziert wurde, soll sich doch mal folgender Artikel durchlesen (Olten liegt übrigens nicht im Berner Oberland oder im Wallis und 23.30 Uhr kommt nach 21.30 Uhr):
http://www.20min.ch/news/bern/story/31139795

Über die Aussagen, die Wahrheit und die Schadensbegrenzung des Images dürft ihr euch selber Gedanken machen, meine Meinung dazu möchte ich hier nicht veröffentlichen.

Eine letzte Bitte an das Bahnpersonal:
Informiert uns und organisiert euch besser!
Doch so lange ihr nicht streikt wie in anderen Länder… Gehts ja noch