#38 Transportfahrzeuge

Posted by in 09 - November 2011, 2011

Die Schweiz ist eine Pendlernation! Egal ob mit Auto/ÖV/Fahrradoder sonstigen Verkehrsmittel, die Einwohner der Schweiz arbeiten oftmals nicht im selben Dorf wie sie wohnen. Was würden wir nur unsere elektrischen Verkehrsmittel machen? So ganz ohne Auto, Motorrad, ÖV, etc., nur mit Fahrrad, Rollerskates und Skiern? Wir wären verloren! Ohne unsere Mobilität wäre viel nicht so, wie es ist. Wenn ich an solche Sachen denke, bin ich irgendwie schon fast wieder froh, dass es ÖV gibt, auch wenn die Züge voll gestopft sind und man keinen Sitzplatz findet, man kommt von A nach B und das ist ja schon mal was. Man kann sogar etwas mitnehmen, einen Rucksack, einen Koffer oder Möbel. Möbel? Ja Möbel!

Es kommt selten vor aber es kommt vor: Leute, die ihre Möbel mit den ÖV transportieren. „Jetzt ist er völlig durchgeknallt! Ist doch eh alles nur erfunden! Der hat doch keine Ahnung“ – falsch, ich habe es wirklich schon erlebt. Zugegeben, die Möbel waren meistens noch verpackt, flache längliche Pakete aus Karton, meistens angeschrieben mit Schwedischen Namen die niemand aussprechen kann. Doch auch einem kleinen Nachttischchen bin ich schon begegnet, mitsamt dem Besitzer natürlich. Falls ihr euch fragt, es ist vom Gesetz her erlaubt, Gepäck mitzuführen, wobei nicht vorgegeben ist, was es für Gepäck sein muss. Klar darf es nicht irgend ein Bett oder eine Matratze sein, aber irgend einen Hocker oder einen kleinen verpackten Tisch, darf man ohne Kosten und Voranmeldung transportieren. Für ein Fahrrad wiederum, braucht man ein Zusatzticket – ausser man verstaut es in einer Tasche (als kleine Anmerkung, es gibt eine Firma die extra Taschen für Fahrräder herstellt, damit man sie gratis im Zug transportieren kann, mehr dazu ein anderes Mal). Es ist eine gute und kostengünstige Lösung, kleinere Transporte selber zu übernehmen und der Umwelt zuliebe aus auf ein motorisiertes Fahrzeug, dass nur aus der gegebenen Situation zum Einsatz kommt, verzichtet. Doch letztes Wochenende kam ich in den Genuss einer solchen Transport-Aktion, welche mich doch sehr erstaunte. Es war ca. 18.00 Uhr und ich stieg in Zug in den Zug, einen Doppelstöcker. Nach kurzem obligatorischen Überlegen, ob ich oben bei den stürmischen, aktiven und unterhaltsamen Mitpendlern oder unten bei den ruhigen, langweiligen wdFMH Gruppe 2 Mitpendlern sitzen möchte, bestieg ich die Treppe, welche meistens als Notsitz bei vollem Zug dient. Oben angekommen schaute dem Gang entlang, um einen freien Sitzplatz zu entdecken – was nicht schwer war, da der Zug praktisch leer war, doch auch ich muss doch mal ein Erfolgserlebnis haben dürfen und mich darüber freuen, dass ich einen Platz gefunden habe. Doch was war das? Etwas Grünes, eine Pflanze, zwei, drei! Was ist denn da los? Urwald-Party? Ich lief am besagten Abteil vorbei und versuchte einen Blick von den Urwald-Bewohnern zu ergattern. Vor lauter Grün, konnte ich zuerst gar nicht erkennen, ob jemand im Abteil sass. Sie, die Mutter und ihre drei kleinen Kinder, bedeckt von insgesamt sechs verschiedenen Pflanzen, von denen die Hälfte grösser waren als die Kinder selbst. Ein komischer Anblick! So komisch, dass ich mich in das nächste Abteil setzte, meine Digicam zückte und ein Foto schoss.

Immer wieder fragte ich mich, ob das schon eine Story wert ist? Es wäre Premiere! Die erste Story mit Foto! In letzter Zeit bekam ich viel Feedback, ich solle doch das erlebte auch fotografieren. Gerne würde ich das in Zukunft so beibehalten, es ist mir allerdings nicht immer möglich, meine Kamera am richtigen Ort zum richtigen Zeitpunkt (oder umgekehrt) zu haben. Was hat mich nun dazu bewegt, dem Erlebnis trotzdem eine Story zu schenken? Der linke Ausschnitt des Bildes! Da seht ihr nämlich eine Person sitzen bzw. seht ihr sein Ärmel der Jacke. Er fiel mir schon von Anfang an auf, nein, nicht wegen seiner grün-schwarzen Jacke, auch nicht wegen seinem Aussehen, auch nicht wegen seinem doofen Blick, als ich ein Foto schoss. Wie sich gegen den Schluss herausstellte, war diese Person der Ehemann der Frau und der Vater der Kinder! Wie dreist ist denn das? Die Pflanzen und die Familie in ein Abteil zu setzen und währenddessen im eigenen 4-er Abteil seine Platzfreiheit zu geniessen? – Gar nicht Gentleman-Like!
Nach dieser Einsicht wurde mir übrigens auch klar, warum der Mann mich so doof anschaute als ich ein Foto knipste. Meine Lehre daraus: Das nächste mal werde ich mich nicht wieder erwischen lassen…

Somit sind wir auch schon am Ende meiner kleinen Story, auch heute lasse ich wieder eine Frage offen:
Gibt es eigentlich eine Pendler-Knigge? – JA gibt es! Doch ich bin der Meinung, dass diese wiedermal erneuert werden könnte oder am besten gleich neu geschrieben!
Upps, jetzt habe ich keine Frage offen gelassen, na dann:
Würde jemand seine Möbel einem Transportunternehmen anvertrauen, das ausschliesslich über den ÖV transportiert? Wir werden’s vielleicht nie erfahren… Oder wir testen es ganz einfach, der Testbericht folgt…vielleicht…nach der Zugstory-Knigge.