#37 Nase zu und durch

Posted by in 08 - Oktober 2011, 2011

Wow! Was für eine Woche! Diese Woche erlebte ich sage und schreibe vier Stories, die ich für euch niederschreiben werde. Umso schwerer wurde mir gerade die Entscheidung, welche ich für diese Woche präsentieren werde. Als kleiner Vorgeschmack könnte ich hier schon mal die provisorischen Titeln der nächsten Stories posten, doch da diese nicht wirklich aussagekräftig sind bringt es euch nichts. Obwohl es natürlich die Fantasie anregt, doch ich möchte trotzdem noch nicht zu viel verraten, so viel sei aber gesagt: ÖV und Transport lassen sich wunderbar verbinden, doch es kann beim Pendeln auch mal gefährlich werden und ich durfte diese Woche 2x bangen. Mehr verrate ich jetzt nicht mehr, oh doch, natürlich noch für was ich mich entschieden habe. Doch das habt ihr im Titel ja hoffentlich schon gelesen. Dazu darf ich euch versprechen, dass falls ihr schadenfreudig seit, ihr hier auf eure Kosten kommen werdet – und wer darf wieder mal dran glauben? ICH! Seht selbst…

…Ich habe nichts dagegen, wenn jemand nicht perfekt aussieht. Ich habe nichts dagegen, wenn jemand nicht perfekt gestylt ist. Auch sage ich nichts, wenn jemand modisch völlig aus der Reihe tanzt und so unmodisch ist, dass er oder sie den Begriff Mode schon fast wieder darstellt. Es soll jeder so herumlaufen wie er will, solange er sich wohl fühlt und niemand belästigt. Zugegeben, man kann jemand durch sein äusseres Erscheinungsbild belästigen, doch dass ist eher Geschmackssache. Der Begriff Geschmack ist relativ, dem einen gefällt’s, dem Andern nicht. Der eine hat einen guten Geschmack, der Andere nicht. Doch wer sagt und ‚eigentlich was gut und was schlecht ist? Wer sagt uns, was gut aussieht und was nicht? Die Promis mit ihren Outfits (man erinnere sich an Lady Gaga’s Fleischoutfit) oder die Presse? Die Designer, die durch die Weltmetropolen wie Paris, New York & Co. fliegen und dort ihre besten Stücke präsentieren, die sowieso kein Normalsterblicher jemals anziehen wird? Viele Kleidungsstücke wurden lange Zeit als Geschmackslos bezeichnet, doch plötzlich tragen sie alle und sie sind In, von gestern auf heute! Und ehe du dich versiehst und es morgen ist, sind sie wieder Out. Die Designer von Kleidungsgeschäften planen momentan die Mode für die Jahre 2014/2015! Sie planen nicht der Nächste, auch nicht der Übernächste, sondern der Nächste vom Übernächsten Trend. Sind wir wirklich so beeinflussbar, dass wir uns dem Trend anpassen, anstatt den Trend selber zu bestimmen? – Ja sind wir! Doch wenn sich die Bevölkerung bei etwas einig ist, dann beim Geschmack! Nein, nicht bei dem Modegeschmack, sondern beim Geschmack, den wir in der Nase wahrnehmen dürfen. Obwohl auch da – z.B. beim Essen und bei Parfum – die Meinungen auseinander gehen. Eine Gemeinsamkeit hat der Mensch aber: eine Handvoll Gerüche, die niemand mag. Genau so einem Geruch bin ich begegnet, ich wünschte es gäbe Geschmacks-PCs…

Nach 462 Wörtern, 2898 Zeichen, 358x dem Buchstaben „e“, nach nur einem „x“ und einer sinnlosen Studie über den obigen Text, jetzt zum eigentlichen Erlebnis:
Es war Mittwoch Abend, 12° C kalt und ich sass im Bus auf dem Weg irgendwo in der Schweiz, nähe einer Stadt. Der Bus war mittelmässig besetzt, eigentlich leer bis auf vier Personen, doch für die Statistik der gelben Busfahrgesellschaft, behaupte ich mal „mittelmässig“. Ich sass ganz vorne am Gang, der Rucksack zwischen meinen Beinen und leere in meinem Kopf. Der Bus fuhr rechts ran, um einem Fahrgast die Mitfahrt zu ermöglichen, was an sich ja nichts Abnormales ist. Unbeeindruckt über die – wie man so schön sagt – Dame im fortgeschrittenen Alter (ca. 4.5x so alt wie ich), die einstieg, schweifte ich in meinen Gedanken ab. Da mein Kopf aber, wie schon erwähnt, völlig leer war, schlummerte ich vor mich hin und kümmerte mich nicht darum, dass sie in das Zweierabteil neben mir Platz nahm. Plötzlich riss mich ein Geruch aus meinen Gedanken, also der Leere, also dem Schlummern, also, ach was auch immer. Es war ein ätzender, ein übelriechender Geschmack, eine Art Säure, menschlichen Erzeugnisses, unangenehm und treibt das Wasser in die Augen. Ein Gestank, an den ich mich gut erinnern kann (zu gut – und schon bereue ich es, die heutige Story zu schreiben). Es stank nach Urin! Bestialisch! „Igitt! Wieso? Wieso passiert das mir?“, fragte ich mich und die Antwort darauf habe ich bis heute noch nicht bekommen. Wer schon mal den Geruch von einer in Urin-gebadeten Person erschnüffeln durfte, darf sich gerne dem Geruch auseinandersetzen und ihn in seine Erinnerung rufen und noch 3x verstärken. Es war nicht mehr normal, nicht mehr zum aushalten, die Dame stank!
Es gab zwei Wege, die ich nun einschlagen konnte: Plan A: Aussteigen, Plan B: Umsetzen. Da ich zeitlich sowieso schon knapp war, konnte ich Plan A gleich wieder vergessen, Plan B musste also hin. Doch diese wurde so ziemlich schnell verworfen, als ich nämlich sah, dass die Frau halbwegs auf dem Gang sass und mir den Weg völlig versperrte. Plan C musste hin, doch wo war diese doofe Plan C, wenn man ihn braucht? Nirgends! Widerwillig setzte ich mich ans Fenster, 40cm weiter weg von der Frau, was jedoch auch nicht wirklich viel Besserung erbrachte. Mein T-Shirt wurde kurzerhand um-modelliert, zu einer Gasmaske, doch den ätzenden Gestank hielt auch dies nicht ab. Den Blick der Dame hättet ihr sehen müssen. Nach 10 Minuten, kurz vor den Ohnmacht hörte ich ein „dingdong!“, endlich, meine Haltestelle war da! Mit letzter Kraft zog ich mich aus dem Bus an die frische Luft, ich war noch nie so froh, den warmen Bus zu verlassen und an die Kälte zu gelangen.

Da mir von der Erinnerung jetzt schon wieder etwas übel ist, möchte ich kein langes Gerede mehr darum machten, aber ich bedanke mich hiermit bei jeder Person, die an Andere denkt und niemanden mit seinem Gestank belästigt! Ich weiss, die Dame kann nichts dafür, aber ICH auch NICHT!

An dieser Stelle möchte ich mich wieder einmal für eure tolle Unterstützung danken, in guten, wie in schlechten Zeiten! Danke für die tollen Feedbacks, Besucherzahlen und Werbung bei Freunden. Ich hoffe, das Lesen macht euch genau so viel Spass, wie mir das Schreiben und Erleben. Einen kleinen Aufruf möchte ich jedoch noch machen: Bitte gebt zu den Stories Kommentaren ab, unter jeder Story könnt ihr euren Lob/Kritik/Hass und vor Allem auch die eigenen Erfahrungen veröffentlichen.

Ich wünsche euch eine schöne Woche, „Happy Halloween“, viel Humor und angenehme Geschmäcker von verfrühten Wiehnachtsguetzli, Mandarinen und heissem Punsch – lasst die kalten Tage kommen! Aber bitte überprüft zuerst noch die Heizungen im ÖV…