#34 Mobiles Warten

Posted by in 08 - Oktober 2011, 2011

Mobilität ist praktisch, ob in der Berufswelt, beim Einkaufen, bei Events – einfach überall. Doch wie mobil sind wir Schweizer eigentlich? Es besitzt heutzutage praktisch jeder Haushalt ein Auto, manche sogar zwei oder mehr. Zudem besitzen abertausende von Personen ein Abonnement für den Zug/Tram/Bus/Schiff in Form von General-Abonnement (GA) oder Städte-Abonnement, Zonen-Abonnement oder was es sonst noch so gibt. Doch man kann natürlich auch ohne diese Abonnements die Öffentlichen Verkehrsmittel gebrauchen, mit einem Billet/Mehrfahrkarte oder zum Teil auch ohne. Im Gegensatz zum Ausland kommt man in der Schweiz mit dem ÖV relativ weit, man hat meistens einmal in der Stunde einen Anschluss von schon fast jeder Gemeinde aus. In grösseren Ortschaften kommt es auch vor, dass man zwei oder mehr Anschlüsse pro Stunde hat. Doch dieses Angebot geltet leider nur Tags und Abends und nicht in der Nacht, wobei es auch Verbindungen gibt, die nach 19.00 Uhr schon nicht mehr befahren werden. Das Nachtnetz des ÖV wird stetig ausgebaut und erweitert, wobei auch die Preise, der sogenannte „Nachtzuschlag“ teuer zu stehen kommt – Pech für alle, die Nachts arbeiten müssen. Dieses Nachtnetz wird am Wochenende hauptsächlich von Partygängern benutzt, doch es kommt nicht selten vor, dass diese die erste Verbindung am Morgen, anstatt das Nachtnetz benutzen, wie ich selber an mir erfahren durfte.

Letzten Samstag beschloss ich kurzfristig, auf Bern in den Ausgang zu gehen. Nach kurzem suchen fand ein Kollege auch ein passendes Event, an dem – laut Organisator – die Besucher mit Shuttle Bussen und Extrazügen auf das Areal geführt und wieder zurückgebracht werden. Perfekt! – dachten wir uns und ich nahm den nächsten Zug auf Bern. Es war schon dunkel und deshalb war die Landschaft draussen nicht mehr so erkennbar, da dies aber seit 1.5 Jahren mein täglicher Arbeitsweg ist, weiss ich auch bei Dunkelheit anhand von den Häusern und Feldern, wo wir etwa sind. Doch diese Fahrt war anders, mir kam alles so unbekannt vor, ob dies wohl daran liegt, dass ich eine Woche in den Ferien war? Nein, das kann nicht sein, das ist alles so unbekannt! Bin ich im falschen Zug? Ich wusste es nicht… Bis sich ca. 5 Minuten später über Lautsprecher eine Stimme erkennbar machte: „Aufgrund eines Defekts auf unserer Strecke müssen wir leider einen Umweg nehmen. Wir werden mit einer Verspätung von ca. 15 Minuten in Bern eintreffen!“. Was? 15 Minuten bei einer Fahrzeit von 30 Minuten? – mit dem habe ich echt nicht gerechnet! Mit 14 Minuten Verspätung und einem zusätzlichen Defekt am Zug, kam ich jedoch in Bern an, wobei mein Anschluss natürlich ohne mich fuhr. Trotzdem, von dieser Tatsache liess ich mir den Abend nicht verderben und ging wie geplant an das Event, welches erwartungsgemäss die ganze Nacht dauern sollte. Doch schon um 03.30 Uhr hiess es: „So Leute, das war’s, wir wünschen euch eine gute Heimfahrt!“. Gemütlich holten wir unsere Jacke ab und machten uns zur Shuttle-Bus Station, die von Busen des ÖV’s bedient wurde. Unser Plan: In den nächsten Shuttle und dann ab nach Hause, mit dem Extrazug. Dieser Plan ging jedoch nicht ganz auf, den auf den Shuttle-Bus durften wir eine geschlagene Stunde in der Kälte und dem Regen stehen! Das Taxi erschien uns deshalb als beste Alternative, eigentlich, wenn sie nicht eine Wartezeit von ca. 1h gehabt hätten. Somit blieb uns nichts mehr anderes übrig als zu warten und dann die kostenlose Variante, den Shuttle-Bus zu nehmen.

Angekommen an der Endhaltestelle des Busses, an einem Bahnhof machten wir uns auf zum Extrazug – doch wo war dieser? Schnell mit dem Smartphone im Internet informiert, wurden wir mit der Erkenntnis bereichert, dass gar keine Extrazüge fuhren und wir auf den ersten Zug durften, der allerdings erst um 04.30 Uhr fuhr. Zum ersten Mal in meinem Leben, war ich froh, dass es Wartehäuschen an den Bahnhöfen gab, doch das fanden 14 andere Partygäste leider auch, wobei und kein Sitzplatz auf den eisernen Bänken mehr blieb. Doch auch diese Hürde konnten wir in aller Kälte meistern und wir schafften es wach zu bleiben und den ersten Zug nach Bern zu nehmen. Natürlich fuhr in Bern gerade kein Anschlusszug für mich und eine weitere halbe Stunde verstrich mit Warten – in der „Wartehalle“. Endlich war es Zeit für mich auf meinen Zug zu gehen, was ich natürlich auch tat. Im Zug angekommen stellte ich mir einen Wecker auf meinem Handy, welcher mich eigentlich wecken sollte. Im Schlaf brachte ich es jedoch fertig, den Wecker auszuschalten. Zum Glück aber erwachte ich gerade noch rechtzeitig und konnte in letzter Sekunde aus dem Zug in den nächsten Anschlusszug huschen, in welchem ich jedoch gleich nach Abfahrt wieder einschlief. Wäre ja eigentlich nicht so schlimm, wenn ich an meiner Endhaltestelle wieder erwacht wäre – bin ich aber nicht. Schlafend fuhr ich noch eine Viertelstunde weiter, bis ich aufwachte und total geschockt bei der nächsten Haltestelle ausstieg. Wie sich aber zwei Minuten später zeigte, war dies ein grosser Fehler, denn diese Haltestelle wurde nur stündlich bedient! Schlau wie ich bin (oder eben nicht) joggte ich los, mein Ziel: Das nächst grössere Dorf innerhalb einer halben Stunden und somit einen Anschluss zurück zu erreichen. Was ich nicht wusste: Der nächste Bahnhof ist innerhalb von 50 Minuten zu erreichen und somit verpasste ich auch den Anschluss.

Völlig erschöpft fand ich aber, einen Zug später, doch noch nach Hause und durfte meinen sicherlich verdienten Schlaf beziehen. Fazit des Abends:
Eigentlicher Fahrtweg: 2h 20 Minuten
Effektiver Fahrtweg: 6h 15 Minuten
Party: 4h 30 Minuten
Gesamtzeit: 10h 45 Minuten

Irgendetwas mache ich falsch – eindeutig!