#33 Geld regiert die Welt

Posted by in 08 - Oktober 2011, 2011

Als ich für meine Einleitung in eine neue Story im Internet ein bisschen nachforschte, stiess ich auf folgendes Zitat von André Kostolany aus „Die Kunst, über Geld nachzudenken“: „Wer viel Geld hat, kann spekulieren; wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren; wer kein Geld hat, muss spekulieren.“. Ich finde, es gibt kein passenderes Zitat zur aktuellen Finanzlage einer gewissen Bank. Sie haben viel Geld, spekulieren – und wie in diesen Fall – verlieren. Doch was ist nun das Problem beim Spekulieren für die Bank? Keines, ausser den Verlust, den ihnen einfahren könnte, doch die Verantwortung wird auf den Mitarbeiter abgeschoben. Doch dieses Zitat passt nicht nur zu dieser Bank, sondern auch zu Pendlern, denn wer zu viel Geld hat, kann auf Schwarzfahren spekulieren, falls man erwischt wird macht es nichts, denn man hat ja genug Geld um die „Strafe“ zu zahlen. Wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren, er würde in 80% der Fällen zwar günstiger kommen, doch das Restrisiko von 20% bleibt und wer mehrmals erwischt wird, dem droht einen zusätzlichen Aufschlag oder sonstige Konsequenten, die wohl niemand freiwillig tragen will. Wer Kein Geld hat, ja, der muss aufs Schwarzfahren spekulieren und hoffen, dass er nicht erwischt wird. Das Thema der heutigen Story ist, wie schon angedeutet, Geld. Man kann nicht ohne aber es macht auch nicht glücklich. Man kann sich viele Träume damit erfüllen aber nicht alle. Der materielle Wert ist gering, doch der tatsächliche Wert übersteigt ihn beträchtlich. Es gibt es in verschiedenen Währungen, materiell, immateriell, aus verschiedenen Materialien, Formen und Farben. Es macht geizig und ist bei einem Teil der Bevölkerung der einzige Grund, arbeiten zu gehen. Man will immer mehr, man riskiert es damit man mehr gewinnen kann, man kauft sich Wertanlagen um vor der Inflation zu flüchten. Man kann es ausleihen, damit man noch mehr zurück bekommt. Man kann es aber auch einfach ausgeben, so wie ich, um Zugstory am Leben zu erhalten, doch auch dieses Ereignis kann man wieder zu seinem Vorteil nutzen, so könnte euch zum Beispiel mit Werbung belästigen und mir dafür das ausgegebene Geld zurückholen. Doch bei meiner heutigen Story geht es nicht um meine finanzielle Lage, seht selbst:

Im Zug von einer Grossstadt in eine andere Grossstadt, irgendwo in der Schweiz. Ich sitze gemütlich neben zwei älteren Herren und lese meine Zeitung und liess mich nicht vom Gespräch der Beiden ablenken. Doch halt, irgendwo her kenne ich diesen Akzent doch! Und die Stimme, das tönt wie, wie, wie der Dings aus Deutschland, genau, wie der Mittelmeier! Doch er war es nicht, auch wenn die Stimme zum Verwechseln ähnlich klang. Schon war ich völlig auf das Gespräch fixiert und legte meine Zeitung weg. „Hast du schon mal diese Tierschützer gesehen am Bahnhof? Diese von der Dings, ja der Dings du weisst schon und dann noch die vom WF. Denen darf man nicht trauen, das sind alles Diebe! Sobald dich einer ablenkt, nimmt dir der andere das Portemonnaie oder Handy, also passe auf. Sie kommen immer mit Unterschriftensammlung oder so, dabei sind es nur Diebe, Diebe, Diebe!“, sagte der Herr N°1. Darauf der Herr N°2, dessen Stimme zu fast 100% mit der Stimme Blochers übereinstimmte: „Ja, ich weiss welche, immer am Bahnhof lungern die rum!“. Beide schauten sich an, nickten und schweiften ihre Blicke zum Fenster raus. Auf einmal schrie Herr N°2 heraus: „Uhrenvergleich! Was zeigt deine Uhr? Hast du jetzt auch halb?“, die trockene Antwort von Herr N°1: „sieben vor halb“. Herr N°2 nickt und fängt an zu politisieren: „Hast du gehört, die bauen einen gewöhnlichen Tunnel, der 12 Millionen kostet, alles finanziert von der anderen Bahngesellschaft, diese mit b. Aber die machen rückwärts! Das ist doch reine Geldverschwendung!“ – ich fragte mich: Wie kann man mit einem Tunnel überhaupt Geld einnehmen? Klar entsteht da ein gewisser Nutzen, doch ist nicht (fast) jeder Streckenbau eine Investition, die sich finanziell her gesehen, nicht ausbezahlt?

Der Zug war nur noch wenige Minuten von unserer Ankunfts-Stadt entfernt, da fuhren wir an einem Getränkehersteller vorbei. Sofort meldete sich Herr N°1: „Die haben Schwierigkeiten mit dem Verkauf, denn ein grosser Detailhändler will die Ware günstiger einkaufen, jetzt kann die Firma ihre Getränke nicht mehr verkaufen“. Die abermals trockene Antwort des Herr N°2: „Aha, nicht gewusst“. Doch das war noch nicht alles, er fügte noch hinzu: „Ja weisst du, der grösste Detailhändler der Schweiz, also dort hat es ein Angestellter, weisst du was er mir erzählt hat? Dass sie gar nichts mehr mit dem Warenverkauf verdienen! Unglaublich oder, die verdienen NICHTS mit dem Verkauf der Artikel! Die leben nur noch von den Immobilien, welche ihnen Geld einbringen, aber der Detailhandel bringt kein Geld ein. Das weiss ich aus sicherer Quelle, nämlich von einem Mitarbeiter!“. Herr N°1: „Aha, ja, also, das dachte ich gar nicht! Aber ich kann es mir vorstellen, wenn du das so sagst“. „Duuunduuuduuuung“, ertönte es aus dem Lautsprecher: „Wir treffen pünktlich in (Ankunftsbahnhof) ein, ihre nächsten Fernverkehrsanschlüsse…“. Kaum war die Durchsage zu Ende, sprang einer der Herren auf, rief „Tschüss“ und rannte Richtung Türe, das wir noch gar nicht am Bahnhof standen, wurde ihm jedoch erst viel zu spät bewusst.

Was haben wir darauf gelernt? Geld regiert die Welt! Ob Diebe, Bahngesellschaften oder Detailhändler, alle brauchen mit der Zeit Geld, und Zeit ist Geld, was auch den Uhrenvergleich in einem sinnvollen Licht erstrahlen lässt.

Apropos, ja, ihr habt natürlich recht, das, was die beiden Herren sagten, stimmt nicht, jedenfalls nicht alles aber das müssen sie ja nicht wissen, lassen wir sie weiter ihrer Fantasie entgleiten…