#18 Die heutige Jungend

Posted by in 04 - Juni 2011, 2011

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Es gibt in meinem Leben keinen Spruch, der mich jemals so genervt hat wie folgender: „Die heutige Jugend…“. Denn dieser Spruch taucht normalerweise nur auf, wenn Jugendliche in der Öffentlichkeit negativ auffallen. Das Problem ist aber nun, dass man mit diesem Spruch alle Jugendliche in den Selben Topf wirft! Ihr glaubt mir nicht? Natürlich, nicht alle Menschen denken so, aber leider immer noch viel zu viele. So werden auch des Öfteren herumsitzende Jugendliche von älteren Damen und Herren beschimpft, obwohl sie gar nichts gemacht haben und nur ein bisschen die Sonne geniessen wollen. Oder was wird behauptet, wenn irgend eine Scheibe eingeschlagen, randaliert oder ein Snackautomat aufgebrochen ist? – „Sind wahrscheinlich wieder diese Jugendlichen…“. Sind sie denn wirklich so schlimm und unanständig? Von öffentlichen Plätzen werden sie vertrieben, sie dürfen sich nirgends hinsetzen, werden von überall verscheucht, auch wenn sie überhaupt nichts getan haben!
Wer mir jetzt recht gibt, fragt sich sicher warum dies so ist? Ganz einfach, nehmt mal eine Zeitung hervor, lest sie durch und zählt, wie viele Male Jugendliche in ein schlechtes Licht gestellt werden… Na, Frage beantwortet? Falls nicht, egal, einfach weiter lesen!

Ja es gibt sie wirklich! Diese Jugendlichen, denen man lieber nicht im Zug begegnen müsste… Ich meine nicht die, die im Zug noch schnell ihre Hausaufgaben erledigen oder nicht aufstehen, damit ältere Leute sitzen können. Die Sorte, die ich meine, sind noch viel schlimmer! Sie tauchen in Gruppen auf, reservieren keine Plätze, nehmen den ganzen Zug für sich ein und machen mehr Lärm als ein vorbeirauschender Zug. Im Normalfall passen Lehr- oder Begleitpersonen auf ihr Rudel auf, nicht an einem schönen Sonntag, letzten Monats.

Es fing schon am Morgen an, ich stehe am Bahngleis und warte auf meinen (verspäteten) Zug, und oh was sah ich da: Eine Pfadfindergruppe! Die Pfadi, allzeit bereit, immer freundlich und aufmerksam! Nur nicht aufmerksam genug um 20 Plätze zu reservieren, anyway. Der Zug kommt, ich steige ein und setze mich weit weg von ihnen, damit ich meine Ruhe habe. Doch was passiert zwei Stationen weiter? Eine weitere 20-köpfige Pfadi-Gruppe steigt in den Zug, natürlich setzen sich die Lautesten in mein Abteil, war ja wiedermal klar. Auch sie haben nicht reserviert, was in einem so kleinen Zug, wie der es war, ein Problem sein könnte. Vorbei war es also mit meiner Ruhe und sie diskutierten lautstark über die Mädchen in ihrer Klasse, ihre Freundinnen und was sie mit ihnen schon so alles gemacht haben und zu guter letzt natürlich auch noch über ihre nervenden Schwestern.

Doch das Beste, kommt wie immer zum Schluss! Kurz vor der Endhaltestelle steigt ein Kontrolleur ein und verlangt die Tickets vom Pfadileiter – seine Reaktion: „Sie sorry, mir sind jetzt viel weniger lüüt und hend viel zwenig Billet“. Wo wir auch schon wieder beim Thema Gruppenreservation wären…

Doch der Tag war noch nicht zu Ende und die Geschichte leider auch nicht. Auf der Rückfahrt am späten Nachmittag, traf ich im Zug eine Jugi-Gruppe an. Sie kamen von einem Turnier zurück, was man ihren Medaillen ansehen konnte und auch deutlich roch. Mit ihrem Gepäck (max. 1 Rucksack pro Person), belegten sie in den 4-er Abteilen jeweils einen Sitz, so dass sie nur zu dritt in ein Abteil sitzen konnten und den vierten Platz – selbstverständlich – nicht frei machen konnten, damit andere Leute hätten sitzen können. Doch das war nicht genug, anstatt einfach ruhig hier zu sitzen, schreiten sie quer durch den Zug, um miteinander zu „kommunizieren“. Es flogen Gratis-Cappies, Flaschen, ja sogar die Medaillen umher, welche sich übrigens perfekt als Wurfobjekt eigneten. Die etwas kleineren spielten Fangnis während der Fahrt und sprangen quer durch die stehenden Leute und nahmen überhaupt keine Rücksicht auf die übrigen Passagiere.

Was macht man in einem solchen Fall? Stopp mal, solche Fälle sind doch nicht möglich, da es ja immer Betreuer dabei hat, die ihre Gruppen unter Kontrolle halten! Diese waren tatsächlich auch mit im Zug, schauten dem Geschehen zu und befanden sich nicht in der Ansicht, eingreifen zu müssen! Doch am meisten erstaunte mich, dass sich die anderen Leute nicht beschwert haben, sie schüttelten alle nur den Kopf und nervten sich über die Gruppe. Das Ende meiner erlebnisreichen Fahrt? – Total genervt zu Hause angekommen…

Somit ein Appell an alle Gruppen:
GRUPPENRESERVATION